Einfache steuerrechtliche Anerkennung von buchhalterischen Fehlern

Das sog. Vereinfachungsdekret (Dekret Nr. 73/2022), welches Ende Juni von der Regierung verabschiedet und erst kürzlich im öffentlichen Amtsblatt veröffentlicht wurde, sieht eine wesentliche Neuregelung für die steuerrechtliche Anerkennung von Buchhaltungsfehlern vor – zum Vorteil der Steuerzahler.

Bis dato war die steuerrechtliche Anerkennung von Buchhaltungsfehlern recht aufwändig. Wurden z.B. Kosten nicht gemäß dem zeitlichen Zugehörigkeitsprinzip (dem sog. „Kompetenz-Prinzip“) im richtigen Jahr erfasst, so musste der Steuerzahler einen aufwändigen Weg beschreiten, um die Kosten steuerrechtlich geltend machen zu können.

Ein klassisches Beispiel ist die Rechnung, die 2022 erst nach Genehmigung des Jahresabschlusses eingegangen ist und sich auf eine Lieferung bezieht, die im Vorjahr bezogen wurde – in Anwendung des Prinzips der zeitlichen Zugehörigkeit gemäß dem italienischen Steuerrecht war die Rechnung dem Vorjahr 2021 zuzuordnen und nicht dem Jahr 2022, in dem die Rechnung erhalten wird.

In diesem Fall musste der Steuerzahler im Jahr 2022 die Rechnung verbuchen – da der Posten sich allerdings auf das Vorjahr 2021 bezieht, waren die Kosten im Jahr 2022 steuerrechtlich nicht absetzbar, wofür man in der Steuererklärung für das Jahr 2022 die entsprechende Anpassung in der Mehr/Weniger-Rechnung vornehmen musste. Die steuerrechtliche Anerkennung konnte nur erreicht werden, sofern der Steuerzahler für das Vorjahr 2021 zusätzlich eine ausgebesserte Steuererklärung einreichte, in der er nachträglich die Kosten angab und so die steuerliche Geltendmachung erlangte.
Dies war alles recht bürokratisch, weswegen viele Steuerzahler es bevorzugten, diese Prozedur nicht anzuwenden.

Damit ist nun Schluss. Mit dem Art. 8 des Vereinfachungsdekrets wird die steuerrechtliche Anerkennung von buchhalterischen Fehlern neu geregelt, indem vorgesehen wird, dass die Erfassung von nicht relevanten buchhalterischen Fehlern sofort steuerlich anerkannt wird, sofern die Erfassung der Fehler in Anwendung der zeitlichen Zuordnungskriterien gemäß der nationalen Rechnungslegungsgrundsätze OIC erfolgt. Da diese für den Fall von nicht relevanten Fehlern die Verbuchung in jenem Jahr vorsehen, in dem der Fehler festgestellt wird, ist nun ab sofort die Richtigstellung des Fehlers im gleichen Jahr steuerlich anerkannt. Um auf das Beispiel von oben zurückzukommen: werden nach der Verabschiedung des Vereinfachungsdekrets nun im Jahr 2022 Rechnungen erhalten, die sich auf Lieferungen des Vorjahres 2021 beziehen, dann wird die buchhalterische Erfassung der Kosten im Jahr 2022 auch sofort steuerlich anerkannt – eine sinnvolle Vereinfachung.

Von der Neuerung nicht betroffen ist die Erfassung von Kosten, die in Steuerperioden angefallen sind, welche bereits verjährt sind – für diese ist die steuerrechtliche Anerkennung im Nachhinein nicht mehr möglich. Im Normalfall tritt die Verjährung 6 Jahre nach Ablauf der Steuerperiode ein.

Die Neuerung findet ab sofort Anwendung. 
Dr. Mirko Oliva
Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Dr. Mirko Oliva

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