Wachstumsdekret – weitere Neuerungen

Bereits in unserem Rundschreiben Nr. 5/2019 haben wir über verschiedene Neuerungen berichtet, die die Regierung im Rahmen einer Eilverordnung (sog. „Wachstumsdekret“) beschlossen hat. Im Rahmen der Umwandlung in ein Gesetz sind weitere Punkte hinzugekommen:
 
  • Es ist erstmals möglich, Steuern im Rahmen der Prozedur der freiwilligen Berichtigung (ravvedimento operoso) auch nur teilweise nachzuzahlen, ohne dass die entsprechenden Strafreduzierungen (für den bezahlten Teil) verloren gehen;
 
  • Personen, die eine Auslandrente beziehen und Ihren Wohnsitz vom Ausland in eine süditalienische Gemeinde mit weniger als 20.000 Einwohner verlegen, können für die im Ausland erwirtschafteten Einkommen für die Anwendung einer Ersatzsteuer in Höhe von 7% optieren und so das Anfallen der „normalen“ progressiven Einkommenssteuer IRPEF vermeiden;
 
  • Wenn ein Rechnungssteller eine Rechnung mit einem zu hohen MwSt.-Satz ausstellt bzw. auf der Rechnung fälschlicherweise eine zu hohe MwSt. ausweist und der Rechnungsempfänger die MwSt. absetzt, dann wird dieses Vergehen „nur“ mehr mit einer Verwaltungsstrafe in Höhe zwischen 250€ und 10.000€ geahndet und nicht mehr mit einer Strafe in Höhe von 90% der abgesetzten MwSt.;
 
  • Personen, die fabrikneue Motorräder mit Elektro- bzw. Hybridantrieb erwerben und gleichzeitig eine altes „verschmutzendes“ Motorrad (Euro 0-3) eingeben, erhalten einen Beitrag in Höhe von 30% des Kaufpreises (ohne MwSt.) bis zu einem Maximum von 3.000€.;
 
  • Die Abtretung eines MwSt.-Guthaben wird ab dem Jahr 2020 auch für MwSt.-Guthaben aus trimestralen Rückvergütungsanträgen möglich;
 
  • Es wurde definitiv geklärt, dass bei begünstigten Mietverträgen (sog. „3+2“ Mietverträge) die stillschweigende Verlängerung nach Ablauf der 5 Jahre  immer um 2 Jahre erfolgt (und nicht um 3 oder abwechselnd um 3 und dann um 2);
 
  • Der Maximalbetrag, den eine Unternehmen im Rahmen der Sabatini-ter Förderung erhalten kann, wurde von 2 Mio Euro auf 4 Mio Euro erhöht. Beiträge bis max. 100.000 Euro werden in Zukunft in einer einzigen Tranche statt wie bisher in 6 Jahresraten ausbezahlt;
 
  • Unternehmen, die verpackte Waren verkaufen, können dem Kunden, der die Verpackung innerhalb eines Monats zurückgibt, einen Rabatt in Höhe von bis zu 25% des Preises der Verpackung gewähren (sofern der Preis der Verpackung gesondert auf der Rechnung ausgewiesen ist); der Kunde kann den Rabatt bei zukünftigen Käufen abziehen. Das Unternehmen selbst erhält vom Staat in Form eines Steuerguthabens den doppelten Betrag des gewährten Rabatts zurück, sofern es die Verpackung wiederverwendet oder bei einem Recyclingunternehmen abgibt. Die für die Umsetzung dieser Maßnahme notwendigen Durchführungsbestimmungen müssen erst noch erlassen werden.
 
  • Unternehmen, die Produkte kaufen, die zu mind. 75% aus recyceltem Material bestehen, erhalten einen Steuerbonus in Höhe von 25% der Kosten des Ankaufs. Derselbe Steuerbonus wird beim Ankauf von Kompost gewährt. Die für die Umsetzung dieser Maßnahme notwendigen Durchführungsbestimmungen müssen erst noch erlassen werden.
 
  • Unternehmen, die in Gemeinden mit weniger als 20.000 Einwohnern bestehende Geschäfte/Gastbetriebe/Handwerksbetriebe/Dienst-leistungsbetriebe (beschränkt auf die Sektoren Freizeit/Kultur/Umweltschutz) erweitern bzw. wiedereröffnen, erhalten einen Steuerbonus in Höhe von 100% der fälligen Gemeindeabgaben. Nicht gefördert werden Goldankäufer (sog. „Compro Oro“), Spielhallen und Wiedereröffnungen durch das gleiche Subjekt, das den Betrieb aufgelassen hat bzw. durch Subjekte, die auf diesen zurückzuführen sind bzw. die den Betrieb von diesem pachten. Die Bestimmungen gelten ab 1.1.2020, das entsprechende Gesuch muss dann innerhalb 28.02 bei der betreffenden Gemeinde eingereicht werden.
Dr. Gert Gasser
Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Dr. Gert Gasser

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