Die Gründung einer Gesellschaft oder einer Betriebsstätte in Italien

Eine Gesellschaft oder eine Betriebsstätte zu gründen birgt viele Probleme. Wir helfen dabei.

Sie denken als Unternehmen oder als Unternehmer an einen Markteintritt in Italien?

Wir betreuen Sie von Beginn an bei Ihrer unternehmerischen Tätigkeit in Italien und begleiten Sie auf Ihrem Weg mit einer professionellen zivil-, steuer- und arbeitsrechtlichen Beratung. Bevor über konkrete Maßnahmen gesprochen wird, ist es uns immer ein Anliegen, Ihre konkrete Situation, Ihre Bedürfnisse sowie Ihre Ziele zu verstehen. Dies wird normalerweise in einem persönlichen Erstgespräch geklärt. 

Grundsätzlich gibt es zwei große Alternativen, die sich dem ausländischen Unternehmen bieten, sobald sich dieses für ein Engagement im Ausland entscheidet:
  • die Gründung einer ausländischen Tochtergesellschaft; oder
  • die Begründung einer Betriebsstätte.

Nachfolgend werden beide Optionen dargestellt.

1. Die Gründung einer Tochtergesellschaft 

Die Auswahl der Gesellschaftsform

Grundsätzlich gibt es in Italien zwei Gesellschaftsformen zur Auswahl, die Kapital- und die Personengesellschaften. Da die Personengesellschaften einen unbegrenzt haftbaren Gesellschafter haben, empfiehlt es sich häufig, als Gesellschaftsform für die unternehmerische Tätigkeit jene der Kapitalgesellschaft zu wählen. Im Unterschied hierzu haften die Kapitalgesellschaften nur mit dem eigenen Gesellschaftskapital. Des Weiteren haben die Kapitalgesellschaften im Vergleich zu Personengesellschaften den Vorteil, dass die Verwaltung der Gesellschaft auch von Nicht-Gesellschaftern ausgeübt werden kann.

Die bekanntesten Formen der Kapitalgesellschaft sind die Gesellschaft mit beschränkter Haftung („Società a responsabilità limitata”, abgekürzt S.r.l.) und die Aktiengesellschaft („Società per azioni”, abgekürzt S.p.A.). Die Kapitalgesellschaften werden in Italien gemäß Art. 2325 bis 2483 geregelt. Da die Aktiengesellschaft ein Gesellschaftskapital i.H.v. mindestens 50.000 Euro vorsieht und auch in der operativen Handhabung kostspieliger ist, werden die meisten Gesellschaften in der Form einer GmbH gegründet.

Die Gründung der GmbH

Die Gründung einer GmbH erfolgt mittels Abschluss der Gründungsurkunde bei einem italienischen Notar und der darauffolgenden Eintragung der Gesellschaft in das Handelsregister. Erst mit der Eintragung in das Handelsregister erwirbt die Gesellschaft Rechtspersönlichkeit. Da in Südtirol Deutsch Amtssprache ist, können grundsätzlich alle Dokumente in deutscher Sprache verfasst und auch hinterlegt werden, so auch die Gründungsurkunde und die Gesellschaftssatzungen.

Die Gründungsurkunde muss den folgenden Inhalt haben:
  • Die Angabe der Gesellschafter;
  • Die Firmenbezeichnung;
  • Die Gemeinde, in der die Gesellschaft Ihren Rechtssitz hat, sowie die Gemeinden, in denen sich etwaige Zweitsitze befinden; als Rechtssitz gilt der Ort, in dem sich das Verwaltungsorgan der Gesellschaft befindet. Wenn Sie es wünschen, die Akte der Gesellschaft auf Deutsch zu haben, empfiehlt es sich, den Gesellschaftssitz in Südtirol zu haben. Wir bieten Ihnen gerne auch die Möglichkeit an, bei uns Ihre Gesellschaft zu domizilieren;
  • Den Gesellschaftszweck; 
  • Das Gesellschaftskapital; das Gesellschaftskapital einer GmbH beträgt mindestens 10.000 Euro. Es gibt auch die Möglichkeit, eine sogenannte vereinfachte GmbH zu gründen, die ein Mindestkapital ab einem Euro haben kann. Bei einer vereinfachten GmbH gibt es allerdings zusätzliche Verpflichtungen zur Kapitalausstattung und Einschränkungen bei der Ausschüttung von Gewinnen. Vor der Gründung müssen mindestens 25% des Gesellschaftskapitals bei einer Bank hinterlegt werden (100% bei Gesellschaften mit Alleingesellschafter).
  • Die Angabe der eventuellen Einbringungen;
  • Die Beteiligungsverhältnisse der einzelnen Gesellschafter;
  • Das angewandte Verwaltungssystem der Gesellschaft; 
  • Die Geschäftsführung sowie eventuell der Überwachungsrat und die zeichnungsberechtigten Personen.
Nach der Gründung wird die Gesellschaft durch den Notar in das Handelsregister eingetragen; die Eintragung muss innerhalb von 30 Tagen ab Gründung erfolgen. Zwischen dem Erstgespräch und der Möglichkeit einer operativen Tätigkeit der Gesellschaft vergehen gerne zwischen ein und zwei Monate.

Bei einer Gründung gegen Ende des Jahres besteht die Möglichkeit, ein verlängertes Geschäftsjahr zu beantragen. 

Verwaltung der Gesellschaft

Die Verwaltung der GmbH wird im Normalfall von einem Alleinverwalter oder einem Verwaltungsrat mit drei oder fünf Personen ausgeübt. Den Verwaltern obliegt die Führung der Gesellschaft. Die Gesellschafterversammlung darf nicht direkt in die Führung der Gesellschaft eingreifen, kann aber dem Verwaltungsorgan Weisungen erteilen.

Es ist in der Praxis nicht unüblich, dass bestimmte außerordentliche Operationen wie z.B. den An-oder Verkauf von Immobilien, Verpachten von Betriebszweigen oder aber auch nur Operationen über einen bestimmten Wert nicht ohne Zustimmung der Gesellschafterversammlung getroffen werden können. 

Einzelgesellschafter

Das Halten der Anteile durch einen einzigen Gesellschafter ist in Italien zulässig. Gesellschaften mit einem Einzelgesellschafter unterliegen allerdings zusätzlichen Informationsverpflichtungen und müssen im Zuge der Gründung eine leicht geänderte Prozedur verfolgen. 

Da in Südtirol Deutsch Amtssprache ist, können grundsätzlich alle Dokumente in deutscher Sprache verfasst und auch hinterlegt werden, so auch die Gründungsurkunde und die Gesellschaftssatzungen.

Kosten

Die Kosten für die Gründung einer GmbH zwischen dem Erstgespräch und der Eintragung ins Handelsregister betragen im Normalfall zwischen 5.000 und 10.000 Euro. Hierin sind die Spesen für den Notar und dem Steuerberater sowie die Steuern und Gebühren für die Eintragung der Gesellschaft enthalten.

Besteuerung der GmbH

Das Einkommen der GmbH unterliegt der Körperschaftsteuer IRES  in Höhe von 27,5% und der Wertschöpfungsteuer IRAP i.H.v. 2,98%. Die Steuerbemessungsgrundlage der Wertschöpfungssteuer IRAP ist allerdings höher als jene für die Körperschaftsteuer IRES, da die Personalkosten und die Zinsen nicht geltend gemacht werden können.

Tochtergesellschaften von ausländischen Unternehmen

Bei Tochtergesellschaften von ausländischen Unternehmen sind zusätzlich zu den national geltenden Bestimmungen auch die anwendbaren Bestimmungen bei Rechtsgeschäften mit dem ausländischen Mutterhaus wichtig. 

Dividendenausschüttungen von italienischen Tochtergesellschaften sind unter Anwendung der Mutter-Tochter-Richtlinie in Italien steuerfrei. 

Grundsätzlich sind die Warenbewegungen und Dienstleistungen zwischen Mutter- und Tochtergesellschaften in Rechnung zu stellen und müssen mittels INTRASTAT gemeldet werden. 

Bei Geschäften zwischen Mutter-und Tochtergesellschaft gilt zudem zu beachten, dass die Verrechnungspreis- Bestimmungen (Transfer Pricing) Anwendung finden. Konkret bedeutet dies, dass die zwischen den beiden Gesellschaften verrechneten Spesen vom Finanzamt auf ihre Fremdvergleichkonformität überprüft werden können; sollten die verrechneten Spesen nicht einem fairen Marktpreis entsprechen, kann das Finanzamt die entsprechenden Spesen aberkennen.  

2. Die Begründung einer Betriebsstätte

Eine Definition des Begriffes „Betriebsstätte“ ist im OECD-Musterabkommen, im Einkommenssteuergesetz „TUIR“ sowie in den Doppelbesteuerungsabkommen (DBA)zu finden, die Italien mit den meisten anderen Staaten in Anlehnung an das OECD-Musterabkommen abgeschlossen hat. 

Grundsätzlich gilt als Betriebsstätte eine feste Geschäftseinrichtung, in der die Tätigkeit eines ausländischen Unternehmens ganz oder teilweise in einem anderen Staat ausgeübt wird. 

Als feste Geschäftseinrichtung gelten z.B.: eine Zweigniederlassung, eine Geschäftsstelle, ein Büro, eine Produktionsstätte, eine Werkstätte, ein Bergwerk, einen Steinbruch, oder eine Bauausführung oder Montage deren Dauer zwölf Monate  überschreitet. 

Hingegen gelten Einrichtungen, die ausschließlich zur Lagerung, Ausstellung oder Auslieferung von Gütern oder Waren des Unternehmens benutzt werden oder eine feste Geschäftseinrichtung, die ausschließlich zu dem Zweck betrieben wird, für das Unternehmen Güter oder Waren einzukaufen,  Informationen zu beschaffen oder wissenschaftliche Forschung zu betreiben, nicht als Betriebsstätte.

Die Eröffnung einer Betriebsstätte in Italien muss nicht von einem Notar durchgeführt werden, sondern kann durch einen italienischen Steuerberater erfolgen. Bei der Eröffnung einer neuen Betriebsstätte sind die steuerlichen und buchhalterischen Aspekte zu beachten. Zum einen müssen die in Italien erwirtschafteten Gewinne auch dort der Einkommenssteuer unterworfen werden, wobei die Regeln der Kapitalgesellschaften angewandt werden. Somit findet die Einkommensteuer IRES von 24% und die Wertschöpfungssteuer IRAP von 2,68% (sofern sich die Betriebsstätte innerhalb der Provinz Bozen befindet) Anwendung. 

Zusätzlich müssen diese Gewinne aber auch im Ausland von der Muttergesellschaft besteuert werden, wobei zu mindestens ein Teil der bereits in Italien gezahlten Steuern der ausländischen Steuer anrechenbar ist. Was die Buchhaltung betrifft, ist ein doppelter Verwaltungsaufwand notwendig. Für die Betriebsstätte muss sowohl in Italien als auch bei der Muttergesellschaft die Buchhaltung geführt werden. 

Vergleich Tochtergesellschaft - Betriebsstätte

Neben der Eröffnung einer Betriebsstätte sollte man auch die Möglichkeit einer Gründung einer Tochtergesellschaft nicht ausschließen, da sich dies oft als sinnvoll erweist.  Zwar muss die Gründung erner Gesellschaft bei einem italienischen Notar erfolgen und ist somit etwas teurer als die Eröffnung einer Betriebsstätte, jedoch sind damit auch zahlreiche Vorteile verbunden. Zum einen ergibt sich eine Vereinfachung in der Buchhaltung, da die Muttergesellschaft im Gegensatz zur Betriebsstätte die Umsätze der Tochtergesellschaft nicht erfassen muss. Des Weiteren muss der erwirtschaftete Gewinn der italienischen Tochtergesellschaft nicht im Ausland versteuert werden. Im Falle einer Dividendenausschüttung an die Muttergesellschaft muss von der italienischen Gesellschaft keine Quellensteuer einbehalten werden, bzw. kann die Rückerstattung der bereits abgeführten Quellensteuer beantragt werden. 

Im Folgenden werden kurz die unterschiedlichen Vorteile der zwei Formen aufgelistet.


Vorteile der Betriebsstätte:
  • Durch die enge Bindung an die Muttergesellschaft, muss sich die Betriebsstätte nicht mit dem italienischen Gesellschaftsrecht befassen à starke Einflussnahmemöglichkeit;
  • Keine Einzahlung von Stammkapital;
  • Vereinfachtes Verfahren im Falle der Beendigung der wirtschaftlichen Aktivitäten in Italien (keine Liquidation erforderlich).

Vorteile der Tochtergesellschaft:
  • Schnellere Gründung als bei der Betriebsstätte;
  • Haftungsbegrenzung durch Kapitaleinlage;
  • Vermeidung der doppelten Buchungen und bessere Gewinnabgrenzung;
  • Keine Offenlegungspflichten der Muttergesellschaft.

Welche Form der zwei beschriebenen Möglichkeiten am sinnvollsten ist, hängt jedoch von den verschiedenen Situationen ab und muss jeweils im Einzelfall entschieden werden. 

 

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